Sägewerk im Schlafzimmer? Warum Schnarchen im Mund beginnt – und dein Zahnarzt helfen kann
BEIT Magazin · Folge 21 des Zahnpodcast von BEIT
Warum Schnarchen im Mund beginnt – und dein Zahnarzt helfen kann
Nachts um drei. Neben dir läuft das Sägewerk auf Hochtouren. Du stupst, räusperst dich, ziehst demonstrativ die Decke weg – zwei Minuten Ruhe. Dann geht es von vorne los. 🪚😴
Kommt dir bekannt vor? Dann bist du in bester Gesellschaft. Schätzungen zufolge schnarcht etwa jeder dritte Erwachsene regelmäßig. Und Schnarchen ist mehr als ein nerviges Geräusch: Es raubt Schlaf, Energie und Lebensqualität – meistens gleich zwei Menschen auf einmal.
Das Überraschende: Schnarchen beginnt im Mund. Genau deshalb kann ausgerechnet der Zahnarzt eine wichtige Rolle spielen.
Für Folge 21 des Zahnpodcast von BEIT hatte Dr. Anja Geisler gleich zwei Experten im Studio: Dr. Karl Haushofer, Zahnarzt mit Schwerpunkt zahnärztliche Schlafmedizin in München, und Elias Dörr, Laborleiter beim Fachlabor Orthos in Frankfurt. Und zum ersten Mal gibt es die Folge nicht nur zum Hören, sondern auch als Video auf YouTube. 🎬
Was passiert eigentlich, wenn wir schnarchen?
Im Schlaf entspannt sich die Muskulatur – auch im Mund- und Rachenraum. Der Unterkiefer sinkt leicht nach hinten, die Zunge rutscht mit, und das weiche Gewebe am Gaumen wird schlaffer. Der Atemweg wird enger.
Die Luft muss sich nun durch einen schmaleren Kanal zwängen. Dabei beginnt das Weichgewebe zu flattern – ungefähr so wie eine Fahne im Wind. Das Ergebnis hört man dann bis ins Nachbarzimmer.
Unterkiefer, Zunge und Weichgewebe sind also die Hauptdarsteller dieser nächtlichen Geräuschkulisse. Und genau dort setzt die Zahnmedizin an.
Harmlos oder Warnsignal? Wann Schnarchen abgeklärt werden sollte
Nicht jedes Schnarchen ist gefährlich. Gelegentliches Schnarchen, etwa nach einem Glas Wein oder bei einer Erkältung, ist meist harmlos – wenn auch für den Partner anstrengend.
Anders sieht es aus, wenn die Atmung im Schlaf immer wieder für einige Sekunden aussetzt. Dann kann eine obstruktive Schlafapnoe dahinterstecken. Dabei verschließt sich der Atemweg wiederholt, der Körper bekommt zu wenig Sauerstoff und wird immer wieder kurz geweckt – oft ohne dass man es selbst bemerkt.
Hinweise darauf können sein:
- Atemaussetzer, die dem Partner auffallen
- lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Pausen und anschließendem „Luftschnappen“
- starke Tagesmüdigkeit, Sekundenschlaf, Konzentrationsprobleme
- Kopfschmerzen am Morgen oder ein trockener Mund nach dem Aufwachen
Eine unbehandelte Schlafapnoe kann langfristig Herz und Kreislauf belasten. Deshalb gilt: Wer solche Anzeichen bemerkt, sollte das ärztlich abklären lassen.
Wer stellt die Diagnose?
Das war eine der wichtigsten Fragen im Gespräch – und die Antwort ist klar: Die Diagnose stellt der Arzt, in der Regel ein Schlafmediziner oder ein HNO-Arzt. Meist geschieht das mit einer Messung im Schlaflabor oder mit einem kleinen Messgerät für zu Hause.
Der Zahnarzt stellt keine Schlafapnoe-Diagnose. Er prüft aber etwas anderes, das genauso wichtig ist: Sind Zähne, Zahnfleisch und Kiefergelenke gesund genug, um eine Schiene zu tragen? Gibt es genug Zähne, an denen sie Halt findet? Und wie beweglich ist der Unterkiefer?
Erst wenn beide Seiten grünes Licht geben, geht es weiter.
Wie funktioniert eine Schnarchschiene?
Der Fachbegriff klingt sperrig: Unterkieferprotrusionsschiene. Das Prinzip ist aber überraschend einfach.
Die Schiene besteht aus zwei Teilen – einem für den Ober- und einem für den Unterkiefer. Sie hält den Unterkiefer im Schlaf sanft ein Stück nach vorne. Weil die Zunge am Unterkiefer „hängt“, wandert sie mit. Der Atemweg im Rachen bleibt dadurch offener, das Gewebe flattert weniger – und es wird ruhiger im Schlafzimmer.
Ganz ohne Operation, ganz ohne Maske. Und für viele Betroffene eine echte Erleichterung.
Teamwork: Arzt, Zahnarzt und Labor
Eine gute Schnarchschiene ist kein Produkt von der Stange. Sie entsteht im Zusammenspiel von drei Fachleuten – und genau deshalb saßen in dieser Folge auch drei Experten am Tisch.
So sieht der Weg in der Praxis aus:
- Ärztliche Diagnose: Der Schlafmediziner klärt, ob es sich um einfaches Schnarchen oder eine Schlafapnoe handelt – und ob eine Schiene infrage kommt.
- Zahnärztliche Untersuchung: Zähne, Zahnfleisch und Kiefergelenke werden geprüft.
- Abdruck oder Scan und Bissnahme: Dabei wird festgelegt, wie weit der Unterkiefer nach vorne geholt wird.
- Anfertigung im Labor: Die Schiene wird individuell hergestellt und muss präzise passen.
- Einstellen und Nachsorge: Die Position wird schrittweise angepasst, und eine Kontrollmessung zeigt, ob die Schiene wirkt.
Gut zu wissen: Ist eine obstruktive Schlafapnoe diagnostiziert und kommt die Überdruckbeatmung (CPAP-Maske) nicht infrage, kann die Schiene unter bestimmten Voraussetzungen auch von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Was im Einzelfall gilt, besprecht ihr am besten mit eurer Ärztin, eurem Arzt oder eurer Zahnarztpraxis.
An alle Zahnärztinnen und Zahnärzte: Keine Angst vor dem Thema!
Im Podcast haben wir auch die Kolleginnen und Kollegen angesprochen. Denn viele Zahnärzte zögern bei diesem Thema – aus Sorge, sie müssten plötzlich Schlafmedizin betreiben.
Die gute Nachricht: Das müssen sie nicht. Mit einem guten Netzwerk aus Schlafmedizinern, einem erfahrenen Labor und klaren Abläufen ist der Einstieg leichter, als viele denken. Und das Thema lohnt sich – vor allem für die Patientinnen und Patienten, die endlich wieder durchschlafen.
Liegt neben dir auch so ein Sägewerk?
Dann teile diesen Artikel oder die Folge einfach mit der Person, die nachts für die Geräuschkulisse sorgt. 😉 Vielleicht schenkst du damit gleich zwei Menschen wieder ruhige Nächte.
Und wenn du selbst schnarchst oder Fragen hast: Schreib sie uns in die Kommentare unter dem Video. Keine Frage ist „zu einfach“ – wir beantworten sie gerne.
Mein Tipp: Schau dir diese Folge auf YouTube an. Drei Experten, drei Mikrofone und jede Menge Aha-Momente – das Video lohnt sich diesmal besonders.
🎧 Folge 21: Schnarchen beginnt im Mund – Dr. Anja Geisler im Gespräch mit Dr. Karl Haushofer und Elias Dörr.
Mehr zu unseren Gästen:
Dr. Karl Haushofer: www.schnarchlos-muenchen.de
Fachlabor Orthos: www.orthos.de
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder zahnärztliche Beratung.